ARES ÖBB: Erfolgreiche Implementierung des Reservierungssystems

Eines der ziemlich versteckten, hinter dem Ticketverkauf liegenden „Geheimnisse“ ist das Reservierungssystem. Wahrscheinlich ist es überflüssig zu erklären, wozu so ein System dient: Seine Aufgabe ist es, mit den Reservierungen, d.h. mit den Sitzplätzen, Liegeplätzen und Schlafplätzen, zu wirtschaften und diese „gescheit“ an die Kunden zu verteilen, erteilen, also Plätze zu buchen, zu stornieren und mehr. Warum ich über so ein Reservierungssystem schreibe? Kurzgesagt, weil ich an seiner Implementierung bei der ÖBB beteiligt war. Lesen Sie mehr…

Alles beginnt mit dem ersten Schritt

Jedes Projekt, auch jedes große Vorhaben, jeder Plan, jede große Sache, Idee, Vision, alles beginnt mit einem leeren Blatt Papier – oder mit dem ersten Schritt. Manchmal beginnt alles ziemlich unauffällig – so auch dieses Projekt. Irgendwann Ende November 2018 sprach mich ein Kollege aus der Firma ČD IS an („České dráhy IKT“), mit einer scheuen Frage: „Hey David, du machst auch Deutsch, oder? Hättest Du Lust, dich an so einem Projekt zu beteiligen? Vielleicht ein paar Übersetzungen, Dolmetschen bei Handelsterminen und so. Kann ich deinen Kontakt an meine Kollegen weiterleiten?“ Na klar, das klingt spannend, so eine Arbeit gerade für mich – klar, tu das!

Reservierungssystem: Ausschreibung ÖBB

Dann ging es relativ rasch los – schneller, als man erwarten würde. Kein Wunder – die Termine waren ziemlich kurzfristig. Was für Termine eigentlich? Na, die der Ausschreibung – es ging um nichts weniger als ums neue Reservierungssystem für den ÖBB Personenverkehr. Die Zeit war wirklich knapp – Ende 2020 sollte die ÖBB-Lizenz fürs deutsche Reservierungssystem EPA ablaufen und man musste natürlich auch den weiteren Betrieb sicherstellen.

Manchmal ist eine Sitzplatzreservierung nicht ganz nötig, aber…

Soviel zur Hintergrundgeschichte. Das Angebot von ČD IS bestand grundsätzlich aus ihrem „Flaggschiff“ ARES, einem seit Jahren entwickelten und erprobt verlässlichen Reservierungssystems für die Tschechischen Bahnen ČD, jedoch natürlich den Anforderungen angepasst, um weitere Module erweitert etc. Versteht sich von selbst, dass ich sofort darin eingetaucht bin – Unterlagen ins Tschechische übersetzen, die Bedingungen und Anforderungen fachlich beurteilen, den Inhalt unseres Angebots überprüfen, reviewen, ergänzen und anpassen.

Ich hatte einen relativ winzigen Anteil an den allen Vorbereitungsarbeiten, trotzdem gab es genug zu tun – und meine Arbeit war nicht weniger wichtig. Dann ein paar Verhandlungen mit den ÖBB als dem Kunden, wobei wir als Lieferant die Details unserer Lösung erklären mussten, den Kunden von unseren Fähigkeiten und Erfahrungen überzeugen und dann auch die technische Ausführung und Lieferbedingungen besprechen mussten. Das letzte Gespräch mit den ÖBB hatten wir am letzten Tag des Jänner 2019. Und dann…

Kopfüber los!

…dann mussten wir auf die Auswertung warten. Der Feber war endlos. Immer kamen nur unbestimmte Auskünfte, dass wir immer noch quasi im Spiel bleiben, dass wir weitere Details klären sollen…

Am 1. März kam von dem für die Ausschreibung zuständigen Kollegen eine ganz kurze SMS: „Kannst du mich anrufen, David?“ Ich war schon gespannt. „Na weißt Du, David…“ Er konnte es nun kaum mehr verstecken: „WIR HABEN GEWONNEN!“ Die Korken knallen, große Erleichterung – aber auch große Anspannung für die kommenden Tage und Monate. Schon am 20. März fand das Kick-Off statt – und dann ging es wirklich ganz kopfüber los. „Als Allererstes muss das [bestehende] System ins Deutsche umgekippt werden. Im Ganzen.“ Unmögliches sofort, ein Wunder in drei Tagen. Ungefähr so sahen die Termine aus. Hätte ich zumindest einen halbleeren Terminkalender, wäre es nur eine Herausforderung. Aber mit ein paar anderen Projekten und einem Buch zu Übersetzen…

Wenn das Projekt zu einem Albtraum wird… (Edvard Munch: Der Schrei)

Arbeit für Ihren Bahnexperten: Übersetzung, Benutzerdokumentation, Schulung

Das Frühjahr 2019 wurde wirklich hektisch. Fast tägliche Kommunikation mit dem Team über den Vorgang, über die Übersetzung der Materialien, der Software-Benutzeroberfläche, und dann insbesondere der Benutzermanuale… Auch hier war es sehr wichtig, die genaue Fachterminologie beizubehalten, die gerade im Bahnbereich ganz spezifisch ist. Und häufig stößt man auf wirklich unerwartete Begriffe in der anderen Sprache, auf überraschende Unterschiede zwischen deutschem und österreichischem (Fach)Usus, zwischen den UIC-Merkblättern, TSI, oder anderen Glossaren… Das Leben ist spannend. Insbesondere das Leben eines Übersetzers.

Meine zweite große Aufgabe in diesem Projekt – eigentlich dritte, nach Vorbereitung der Ausschreibung und nach Übersetzung der Materialien und Benutzermanuale – war die Benutzerschulung. Auch für mich eine spannende Arbeit – jedoch handelte es sich hier ausschließlich um Dolmetschen, da für die Schulung und Unterlagen selbst andere Kollegen aus ČD IS zuständig waren. Häufig führe ich Schulungen auch selbständiger durch – d.h. einschließlich der Vorbereitung von Unterlagen, der Planung von Terminen, der Logistik usw. Aber das ist eine andere Geschichte aus anderen Projekten.

Go Live!

Nun schreiben wir den Dezember 2020 – und das Reservierungssystem ist live gegangen, eigentlich schon vor langer Zeit. Nun werden Sie daher wissen, dass bei jeder Reservierung eines Sitzplatzes, Liegeplatzes oder Schlafplatzes bei Ihren Reisen mit den ÖBB-Zügen das tschechische ARES im Hintergrund arbeitet – und dass dies auch mit meinem Beitrag implementiert und in Betrieb genommen wurde.

Ich liebe wirklich Herausforderungen. Und neue Projekte, neue vielversprechende Tätigkeiten und Innovationen. Vielleicht stehen einige auch vor Ihnen?

Externer Link:

https://industriemagazin.at/a/oebb-tauschen-deutsches-reservierungssystem-gegen-tschechisches

 

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