Eisenbahn und Betrieb als Leidenschaft

Und so hat das alles mit der Bahn angefangen (im beruflichen Sinne – sonst sind die Schienen meine lebenslange Herzensangelegenheit) 🙂 Fahrdienstleiter in RousĂ­nov, einem ziemlich unauffälligen Zwischenbahnhof auf der eingleisigen Hauptstrecke BrĂĽnn – Ostrau, 1994

Eisenbahn und Betrieb als Leidenschaft

So hat das alles mit der Bahn angefangen… oder eigentlich noch viel früher. Ich war „seit jeher“ von den Zügen und der Eisenbahn begeistert – als kleiner Bursche „musste ich“ bei jedem vorbeifahrenden Zug die Wagen zählen und der Eisenbahnfahrplan war ganz ohne Schmäh mein beliebtestes Buch.

Urgeschichte: als Fahrdienstleiter in RousĂ­nov, einem Zwischenbahnhof auf der eingleisigen Hauptstrecke BrĂĽnn – Ostrau, mit elektromechanischem  Stellwerk, Sommer 1994

Warum die Bahn so sehr fasziniert?

Was fasziniert so viele an der Eisenbahn– und nicht nur so viele kleine Burschen? Ohne die „erwachsenen“ Attribute wie Leistung, Services oder Klimaschutz? Vielleicht ist es das Fernweh und die Sehnsucht nach Reisen. Vielleicht auch die Kraft, mit der so ein mächtiges Ding einen mehrere Tausend Tonnen schweren Zug ohne zu zögern schleppen kann. Vielleicht auch so eine Seltenheit, die früher mit Bahnreisen immer verbunden war – insbesondere auf dem Land, wo der Bummelzug nur ein paarmal am Tag über eine Lokalbahn rollte. Und vielleicht ist es das Bahnsystem als Ganzes. Es ist ja auch für einen Erwachsenen faszinierend genug, wie viele Menschen am Bahnverkehr beteiligt sind, wie viele top-moderne Technologien zum Einsatz kommen und was für ein gründlich konstruiertes und stark vernetztes System die Eisenbahn ist.

Beschäftigt mit Eisenbahn: Studium und Beruf

Dies ist vielleicht auch die Antwort auf die Frage bezüglich meiner Berufswahl. Eigentlich war es für mich keine Frage – doch fing ich mit diesem Studiengang erst ein Jahr später zusätzlich zu mathematischer Informatik an, als Fernstudium. Und während dieses Studiengangs war ich „gezwungen“, auch die Ausbildung und Fachprüfungen zum Fahrdienstleiter (Fdl) zu absolvieren. Naja, „gezwungen“: mir machte es natürlich unglaublich großen Spaß. Man eignete sich endlich gründliche Kenntnisse über den Eisenbahnbetrieb an, über die Tarife und Fahrkartenverkauf, über die Signal- und Nachrichtentechnik und vieles mehr. Und vor allem bekam ich die Gelegenheit, wenige Jahre als Fdl im tatsächlichen Bahnbetrieb zu dienen.

Ein älteres (ca. aus 1970-er) ferngesteuertes Stellwerk am Semmering

Fahrdienstleiter im Bahnbetrieb

Was beträgt diese Arbeit eigentlich? Wie schaut es aus, ein Fahrdienstleiter zu werden? Die „rote Mütze“ und „grüne Klatsche“ (richtig genannt „Befehlstab“) ist nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs – oder das auf den ersten Blick Sichtbare und am Ende nicht ganz Notwendige. Gute 90% der Arbeit eines Fahrdienstleiters sind hinter der Tür versteckt – und in bestimmten Fällen sogar 100%. Seine Arbeit bedeutet vor allem die Verantwortung für einen sicheren, pünktlichen und reibungslosen Ablauf des Zugverkehrs in seinem Verantwortungsbereich, das ist grundsätzlich in seinem Bahnhof oder Bahnhofsbereich und auf den anliegenden Streckenabschnitten.

Zukunft der Bahn: Fernsteuerung

Jedoch verschwindet diese wunderschöne Arbeit: mehr und mehr Strecken werden mit sog. Fernsteuerung ausgerüstet – was bedeutet, dass ein Fahrdienstleiter einen viel längeren Streckenabschnitt oder viel größeren Bereich mit mehreren Stationen fernsteuern kann. Alles, was er braucht, sieht er auf zahlreichen Monitoren mit Schienenschemen, Übersichtsbildern und Zeitweglinienbildern oder Bildfahrplänen. Dank den hochleistungsfähigen Datennetzen können die Befehle heutzutage über Hunderte Kilometer übertragen werden, die Sicherheit kann unter anderem auch mit Überwachungskameras erhöht werden, und der Eisenbahnbetrieb kann noch reibungsloser ablaufen, mit noch weniger Störungen und Verspätungen – was letztendlich für einen Laien, für einen „Normalsterblichen“, für einen üblichen Fahrgast am meisten spürbar ist.

Diese Fahrdienstleiterin wird kaum einen Zug während ihrer Schicht sehen: Betriebsleitzentrale (BLZ) am neuen Wiener Hauptbahnhof, woher die ganze Region Ost ferngesteuert wird

Beste Modellbahn – Maßstab 1:1

Wie wir, die „mit der Schiene getroffenen“, gerne sagen, die beste Modellbahn ist wirklich die im Maßstab 1:1. Und für mich persönlich gilt das doppelt: Für mich bleibt die einstmalige Begeisterung mit der Bahn unverändert, sie wird nur noch verstärkt durch die tiefen Fachkenntnisse, neue Erfahrungen, Ideen und auch Beobachtungen von Reisen. Es waren nur drei Jahre, die ich als Student unter der roten Mütze verbringen durfte: doch die Inspiration und Ehre zu dem Beruf sowie zum Eisenbahnsystem als Ganzes ist unverlöschlich.

Die Leidenschaft zu eigenem Beruf zu machen, ist aber immer gut, oder?